Kapitel 23: Friedrich Prinz von Oranien-Nassau und Luise Prinzessin von Preußen

Stabilitätsanker der Oranier und treusorgende Gattin

Weder Friedrich noch Luise kommen in ihrer Heimat zur Welt. Friedrich (1797–1881) wird in Berlin geboren, wo seine Eltern Wilhelm und Mimi (Kapitel 22) nach ihrer Flucht aus den Niederlanden 1795 bei preußischen Verwandten Unterschlupf gefunden hatten. Und Luise (1808–1870), seine Cousine – ihr Vater ist der Bruder von Friedrichs Mutter –, erblickt unter dramatischen Umständen in Königsberg, dem heute zu Russland gehörenden Kaliningrad, das Licht der Welt. Ihre hochschwangere Mutter, Königin von Preußen, war vor der Napoleonischen Armee in die preußische Krönungsstadt geflohen und kommt dort mit Luise nieder. Es dauert fast zwei Jahre, bis die Lage in Berlin eine Rückkehr dorthin erlaubt.

Hier trifft Luise auf ihren elf Jahre älteren Cousin Friedrich, auch Fritz genannt, der sich noch immer gern bei der gemeinsamen Verwandtschaft aufhält. Er ist in Preußen im Exil geboren und hier aufgewachsen und fühlt sich durch und durch als preußischer Prinz. Trotz des Altersunterschieds finden die beiden zueinander. 1825, Friedrichs Vater ist inzwischen König der Niederlande geworden, heiratet das Paar. Es wird eine gute Ehe. Friedrich wird später zu Papier bringen, dass er sein Glück und seine Freude bei seiner Frau und den Kindern findet. Das Leben der beiden ist von Ernsthaftigkeit, Bescheidenheit und Hingabe geprägt; Feiern und Feste sind ihre Sache nicht, sie meiden die große Bühne.

Unterdessen ist vor allem Prinz Friedrich auf einem Terrain von unschätzbarem Wert für die gesamte Oranierfamilie, nämlich wenn es um das Schlichten von Streitigkeiten und das Lösen von Problemen geht: die nicht gerngesehene zweite Heirat wie auch die Abdankung seines Vaters König Wilhelm I., die Schulden seines Bruders Wilhelm II., das außereheliche Kind seiner Schwester Marianne, die äußerst unglückliche Ehe seines Neffen, des späteren Königs Wilhelm III. – solcherlei Angelegenheiten erhitzen die Gemüter nicht nur im Lande, sondern vor allem auch in der Familie. Doch zum Glück steht ein jedes Mal der taktvolle Prinz Friedrich als Versöhner und Vermittler bereit. Was hätten die Oranier damals nur ohne diesen liebenswerten, selbstlosen Prinzen gemacht?

Dabei haben es Friedrich und Luise selbst nicht gerade leicht: zu ihrem tiefsten Kummer sterben ihre beiden Söhne bereits im Kindesalter, und Luise hat sehr mit ihrer Gesundheit zu kämpfen. Zu Kuraufenthalten reist sie nach Deutschland und Österreich, zum Beispiel nach Bad Ischl, wo die Kontakte zu anderen Herrscherfamilien gepflegt werden können. Der österreichische Kaiser Franz Joseph verbringt hier regelmäßig seine Sommer, was so manche königliche Hoheit anlockt.

Derweil verliert Deutschland nichts von seiner Anziehungskraft. Fritz erbt von seinen Eltern nicht nur das Niederländische Palais in Berlin und Besitzungen in Schlesien und Posen (beides heute zu Polen gehörig), er selbst kauft 1846 die Standesherrschaft Muskau an der Neiße, die aus 43 Dörfern, einem Gehöft, einem Schloss und weiteren Gebäuden besteht. Diesen herrschaftlichen Privatbesitz regiert er wie ein väterlicher Fürst: er fördert die Schulbildung, stiftet ein Krankenhaus, erneuert das Theater, modernisiert die Landwirtschaft und reformiert die Verwaltung. Außerdem lässt er einen einzigartigen Landschaftspark anlegen, der heute auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Vor das Muskauer Schloss lässt er zwei monumentale Bronzelöwen (jeweils 3,30 Meter lang und 2 Meter hoch) als Wappentiere aufstellen, die jedoch im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt werden. Nach dem Ende der DDR zeigt sich, dass die Verbundenheit der Bevölkerung mit den Löwenskulpturen des Oranierprinzen noch immer groß ist. Es wird Geld gesammelt, damit Kopien angefertigt werden können. Das Unternehmen gelingt. Zur großen Freude der Bürger kehrten vor einigen Jahren die beeindruckenden Parklöwen im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an ihren angestammten Platz zurück.

Reinildis van Ditzhuyzen, August 2017

Literatur

  • Ditzhuyzen
  • Frans Willem Lantink: Louise Augusta Wilhelmina Amalia van Pruisen (Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Preußen), in: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland (Digitales Frauenlexikon der Niederlande). URL: http://resources.huygens.knaw.nl/vrouwenlexicon/lemmata/data/LouiseAugusta
  • Anton van de Sande: Prins Frederik der Nederlanden 1797–1881. Gentleman naast de troon (Prinz Friedrich der Niederlande 1797–1881. Gentleman neben dem Thron), Nimwegen 2015
Louise van Pruisen en Frederik van Oranje-Nassau: een gelukkig echtpaar


Luise von Preußen und Friedrich von Oranien-Nassau: ein glückliches Ehepaar

Niederländische Palais Berlin
Abbildung: ©Landesdenkmalamt, Berlin

Prinz Friedrich erbte das von seinem Vater, dem späteren König Wilhelm I., 1803 erworbene Niederländische Palais. Immer, wenn er sich in Berlin aufhielt, wohnte er hier. 1881 vererbte er es seiner Enkelin, Luise von Schweden, die es allerdings zwei Jahre später verkaufte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Palais zerstört. Im Oktober 2014 wurde an der Fassade des Nachfolgebaus eine Tafel angebracht, die an König Wilhelm I. erinnert.

Leeuw Bad Muskau
Abbildung: ©Lausitzer Rundschau / Angelika Brinkop / www.lr-online.de/regionen/weisswasser/Erster-Bronze-Loewe-begeistert-Besucher-in-Muskauer-Park;art13826,2643833,0

Enthüllung des ersten »Parklöwen« in Muskau (2009)

Muskauer Park
Abbildung: ©Lausitzer Rundschau / Regina Weiß

Muskauer Park